Information - Musikproduktion TonZ

Thomas Braeckle
Musikproduktion
Stuttgart
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Hau Was macht eine DAW?
Die magnetische Datenspeicherung  existiert . Allerdings nicht mehr in Form von  kontinuierlichen Spannungsschwankungen auf Ampex-Tape, sondern in Form  von Nullen und Einsen auf der Festplatte. Die Vorteile liegen klar auf  der Hand: verlustfreie Kopien, blitzschnelles Schneiden − ohne  Rasierklinge. Das digitale Editieren eröffnet inzwischen unendlich viele  Möglichkeiten, etwa die Manipulation der Tonhöhe einzelner  Gesangssilben oder das Geraderücken von unsauberen  Schlagzeug-Performances. Eine DAW bietet eine komplette  Produktionsumgebung nicht nur in Homestudios, denn neben der  „Bandmaschine 2.0“ist auch gleich ein Mischpult integriert, samt  Equalizern und Effekten. Die Grenze des Machbaren wird nur durch die  Prozessorleistung des Computers gezogen. Was will man also noch mehr?
DAW für umme?
Gegenwärtig  tummeln sich sehr viele DAWs auf dem Markt. Als Faustregel gilt: Mit  allen kommt man ins Ziel − ausnahmslos! Die Frage ist nur, ob man mit  dem Aufbau des Programms als Einsteiger klarkommt. Viele aktuelle DAWs  sind schon seit über 10 Jahren auf dem Markt und besitzen durch die  ständige Weiterentwicklung einen teilweise sehr großen Funktionsumfang,  der sich in vielen Menüs und versteckten Untermenüs niederschlägt.  Weniger ist mehr, erst recht, wenn man doch „nur“ aufnehmen und die  Spuren zum Mix an einen Profi oder zumindest jemandem, der sich schon  ein paar Jährchen mit der Materie auseinandergesetzt hat, weitergeben  möchte − gerade Einsteiger und selbst fortgeschrittenen Homerecordlern  ist es sehr zu empfehlen, beim Mischen und Mastern jemanden zu  involvieren, der darin entsprechende Erfahrung hat. Welche DAW man  wählen sollte, ist für absolute Anfänger keine einfache Entscheidung.
Es  lohnt sich also, mehrere Demos auszuprobieren, die man auf der Homepage  des jeweiligen Herstellers oft uneingeschränkt für ungefähr zwei Wochen  testen kann. Hat man einen Favoriten für sich entdeckt, muss auch nicht  gleich die teure Vollversion her, denn nahezu jede DAW ist mit  abgespeckten Features zum Sparpreis erhältlich. Ableton beispielsweise  versieht Live mit dem Namenszusatz „Intro«, Steinberg und Propellerhead  hingegen bieten „Cubase Artist“und „Reason Essentials“ an. Häufig sind  derartige Einsteigerprogramme auch bei Audiointerfaces,  Hybridmischpulten oder Keyboard-Workstations und Controller-Keyboards im  Lieferumfang dabei. Studenten und Schüler sollten ebenso nach  „EDU«-Versionen Ausschau halten, welche nur einen Bruchteil des  Gesamtpreises ausmachen
DAW-BASICS
Um das  große Angebot etwas einzugrenzen, sollte man sich zuerst am eigenen  Computersystem orientieren. Während fast jede DAW das Prädikat  „crossplatform“ trägt, also sowohl auf dem PC als auch dem Mac läuft,  ist z. B. Apple Logic Pro X ausschließlich für den Mac erhältlich oder  etwa Cakewalk Sonar nur für Windows-Systeme. Außerdem sollte eine DAW  die wichtigsten Schnittstellen „VST2/VST3“(Virtual Studio Technology)  oder „AU“(Audio Units) unterstützen. Nur so ist gewährleistet, dass man  die Produktionsumgebung später mit weiteren Klangerzeugern und Effekten,  also Plugins von Drittanbietern nachrüsten kann.
Eine  Ausnahme macht hier Avid mit Pro Tools. Die „Express«-Version versteht  nur Plug-Ins mit den Schnittstellen „RTAS«, „Audio Suite“ und „AAX  Native«. Klettert man die Produktleiter etwas höher, sprich: Pro Tools  11 oder Pro Tools HD, bleibt sogar nur noch die Schnittstelle „AAX“  übrig. Ein Punkt, den man stets im Auge behalten sollte, nicht zuletzt,  da es ein großes Angebot von kostenlosen Plug-Ins, sogenannte  „Freeware«, speziell für die VST-Schnittstelle gibt. Ebenso unterstützt  Logic Pro die VST-Schnittstelle bis heute nicht. Hinsichtlich  Kompatibilität nach einer Aufnahme muss man sich heute aber keine  Gedanken mehr machen, denn alle DAWs können die beiden gängigsten  Dateiformate, WAV und AIFF, schreiben und lesen.
MONITORING
Das  Monitoring, also Kopfhörermischungen und die Verwaltung von  Studio-Abhören, lässt sich, wie angesprochen, entweder über eine  integrierte Mix-Matrix mancher Audiointerfaces oder mithilfe eines  ausreichend ausgestatteten Mischpultes realisieren. Doch auch in der DAW  selbst klappt das natürlich. Dazu ist ein Audiointerface mit einem  guten Treiber und niedrigen Latenzwerten sowie mit entsprechend vielen  Einzelausgängen nötig. Ab dann geht es ganz klassisch über die  virtuellen Aux-Wege weiter. Nur eine DAW bietet diesbezüglich eine  perfekt abgestimmte Komplettlösung an: Steinbergs Cubase.
Der  integrierte „Control Room“ ermöglicht es, das gesamte Monitoring-Setup  rein über die Software umzusetzen. Bis zu vier unabhängige  Kopfhörermischungen, hier „Studios“ genannt, lassen sich erstellen und  mit Metronom sowie Talkback beschicken; die eigentlichen Aux-Sends  bleiben dabei unangetastet. Für das Talkback-Mikrofon kann man einen  beliebigen Eingang am Interface definieren. Aktiviert man dieses, kann  eine zusätzliche DIM-Funktion sogar den Pegel der Lautsprecher absenken,  um gefährliche Rückkopplungen zu vermeiden. Bis zu vier  Lautsprecher-Systeme lassen sich verwalten, egal ob mono, stereo oder  5.1. Sind am Audiointerface noch ein paar Eingänge frei, kann man diese  mit Zuspielern wie CD- oder MP3-Player beschicken und ebenfalls über  dedizierte Schaltflächen dem Control Room zuführen.
COMPING
Eine  gängige Methode in fast jedem Aufnahmestudio ist das sogenannte  Loop-Recording. Man definiert einen Bereich, beispielsweise nur vier  Takte der ersten Strophe, und spielt den gleichen Part mit vielen  Wiederholungen ein. Die meisten DAWs schichten diese Takes übereinander.  In einer speziellen Ansicht lassen sich die Takes auch untereinander  anzeigen. Nun kann man Stück für Stück alles durchhören, nach den besten  Teilen suchen und diese dann markieren − etwa nur einen Takt oder noch  kleinere Scheibchen. Die ausgewählten Schnipsel rutschen dann in die  Hauptregion, und am Ende erhält man die bestmögliche Performance, ohne  dass jemand etwas gemerkt hat. Logic, Pro Tools, Cubase, Reaper oder  StudioOne sind hier allesamt sehr ausgereift. Nur in Ableton Live ist  das Comping in der klassischen und unkomplizierten Art leider nicht  vorhanden, auch wenn diese DAW hinsichtlich Experimentierfreudigkeit und  Jam Faktor die Nase weit vorne hat.
TONHÖHENKORREKTUR
Gerade  in Homestudios hat man wahrscheinlich nicht immer absolute Profimusiker  zu Besuch. Insofern kann es hilfreich sein, schon bei der DAW-Auswahl  auf eventuell nötige Nachbearbeitungsfunktionen zu achten. Wir sprechen  hier nicht von Echtzeit-Tools im Sinne von AutoTune, sondern von  leistungsfähigen Editoren, die tonales Material analysieren und in  einzelnen Segmenten in einer Pianorollen-Ansicht darstellen − ähnlich  einem MIDI-Editor.
Im Nachhinein kann man so die ein oder  andere schiefe Gesangssilbe geraderücken oder einzelne Gitarrennoten  verschieben, sodass, wenn es sein muss, sogar eine komplett andere  Tonart entsteht. Steinberg war der erste Hersteller, welcher einen  derartigen Editor werkseitig für eine DAW anbot. In Cubase heißt diese  Technologie „VariAudio«. Auch Presonus Studio One und Cakewalk Sonar X3  haben das unter der Haube und sogar eine einfache Version des  Platzhirschen „Celemony Melodyne“ höchstpersönlich integriert. Ganz  frisch mit im Boot ist Apple, denn Logic Pro X bietet mit „Flex Pitch“  nicht nur in der Pianorollen Ansicht, sondern sogar direkt in der  Audiospur Bearbeitungsmöglichkeiten an.
TIMING-KORREKTUR
Oft  hapert es jedoch nicht an der Tonhöhe, sondern am Timing. Ein  Snare-Fill ist verhauen, oder der erste Basszupfer kommt zu spät? Da  gibt es Abhilfe, denn fast alle DAWs beherrschen die sogenannte  Transientenanalyse, d. h., selektiertes Audiomaterial wird auf  Pegelspitzen in der Einschwingphase bzw. dem Anschlagsgeräusch einzelner  Töne untersucht, und diese werden jeweils mit einem Marker versehen. Ab  dann kann man die Marker zeitlich korrigieren, etwa durch Ziehen auf  das Taktraster. Die restliche Performance bleibt dabei unangetastet.  Sehr gut klappt das mit Ableton Lives „Warping«, doch auch Cubase,  StudioOne und Pro Tools beherrschen diese Tricks.
SETZKASTEN
Die  meisten DAWs arbeiten „linear«, sprich: Die Wiedergabe erfolgt in  Abhängigkeit der Songpositionslinie zeitgleich für jede Spur von Anfang  bis Ende. Cubase und Reason besitzen eine zusätzliche Arrangement-Spur.  Hier kann man Songparts, wie „Verse 1«, „Chorus“ oder „Bridge“  einzeichnen und diese dann in Reihenfolge und Wiederholungsanzahl  manipulieren. Das ist sehr praktisch, um verschiedene Arrangements  auszuprobieren oder Edits mit einer bestimmten Spieldauer zu erzeugen.  Diese „nicht-lineare“ Herangehensweise treiben zwei DAWs auf die Spitze:  Ableton Live und Bitwig Studio. Die sogenannte „Session View“ ist dort  tabellenartig aufgebaut. Jede Spalte entspricht einer Spur, die Zeilen  hingegen heißen „Scenes«. So kann man die einzelnen Zellen, auch „Clips“  genannt, mit verschiedenen Ideen füttern und diese entweder Zeilenweise  oder vollständig frei starten.
Das Arrangement lässt sich auf  diese Weise in Echtzeit gestalten und auch aufnehmen. Man kann sich  beispielsweise eine Jamsession vorstellen, in der ein Musiker zu jeder  Zeit einsteigen kann, ein paar Takte spielt und die Aufnahme beendet,  während die Bandkollegen ohne Unterbrechung weiterklöppeln dürfen und  den neuen Take automatisch im Loop hören. Ein toller Ansatz, der  eigentlich den Titel „Bandmaschine 3.0“verdient. Diese Arbeitsweise  eignet sich aber nicht nur für experimentierfreudige Bands, sondern ganz  besonders für die Sound-Frickler, die auch im Alleingang ganz intuitiv  Loopbasierte Musik kreieren möchten. So läuft beispielsweise der  eintaktige Drum-Break stets weiter, während man sich an einer  Synthesizer-Phrase mit vielleicht acht Takten die Ohren blutig  programmiert.
Der absolute Spezialist auf diesem Gebiet nennt  sich Ableton Live, welcher aber schon bald massive Konkurrenz, ebenfalls  aus Berlin, bekommen wird: Bitwig Studio, momentan noch in einer lang  ausgedehnten Beta-Testphase, verwendet einen vergleichbaren Workflow.  Abschließend ist zu erwähnen, dass beide dieser Kandidaten, neben der  „nicht-linearen“ Matrix auch über ein klassisches „lineares“ Arrangement  in einer zweiten Ansicht verfügen. Wer noch weiter in die DAW-Welt ein –  tauchen möchte, kann sich alle sechs Teile des ausgiebigen  Sequenzer-Vergleichs von www.sound-and-recording.de kostenlos  herunterladen. Zwar ist diese Gegenüberstellung nicht mehr ganz aktuell,  bietet aber immer noch einen guten Überblick hinsichtlich des  grundlegenden Funktionsumfangs und Workflows.
ptsache spass
Thomas Braeckle Stuttgart
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